Sexuelle Belästigung im Netz melden und online Anzeige erstatten

Banane auf rosa Hintergrund

Sexuelle Belästigung ist leider weit verbreitet – egal, ob im Alltag, am Arbeitsplatz oder online. Laut der JIM-Studie 2023 sind insbesondere junge Mädchen von sexueller Belästigung im Netz betroffen. Von „anbaggern“ in den Kommentarspalten bis hin zu ungewollt zugesendeten Nacktbildern oder -videos kann alles dabei sein. Viele Betroffene zögern jedoch, persönlich zur Polizei zu gehen.
Die gute Nachricht: Man kann sexuelle Belästigung auch online anzeigen. Dank digitaler Plattformen und Beratungsstellen gibt es heute einfache, sichere Wege.

Was gilt als sexuelle Belästigung?

Sexuelle Belästigung kann viele Formen annehmen: unerwünschte Berührungen, anzügliche Kommentare oder das Versenden expliziter Nachrichten. Wichtig ist: Auch digitale Belästigung ist strafbar. Eine Anzeige dient nicht nur dem eigenen Schutz, sondern hilft auch, Täter zur Verantwortung zu ziehen und weitere Übergriffe zu verhindern. Betroffene von sexueller Belästigung im Internet können diese bei verschiedenen Anlaufstellen online melden oder anzeigen.

So zeigen Sie sexuelle Belästigung online an:

1. Onlinewache der Polizei

Viele Bundesländer bieten Onlinewachen der Polizei an. Dort können Betroffene Formulare ausfüllen, Beweise wie Screenshots oder Nachrichten hochladen und die Anzeige digital einreichen. Es ist also kein persönlicher Termin nötig und alles wird sicher übermittelt. Allerdings können nicht alle Delikte online vollständig angezeigt werden, weshalb die Polizei eventuell noch Rückfragen stellt. 

2. HateAid

Die Organisation HateAid unterstützt Menschen, die Opfer digitaler Gewalt oder sexueller Belästigung geworden sind. Sie beraten Betroffene, helfen bei der Beweissicherung und geben rechtliche Hinweise, wie weiter vorzugehen ist. HateAid kann selbst keine Anzeige einreichen, unterstützt aber dabei, die richtigen Schritte zu gehen. Über ein Meldeformular kann die Belästigung gemeldet werden, um die Inhalte auf den Plattformen entfernen zu lassen.

3. Sounds Wrong

Sounds Wrong ist eine Kampagne der Polizeilichen Kriminalprävention. Sie kämpft gegen die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen in digitalen Medien. Hier kann man über die Internetbeschwerdestelle Belästigung melden. Diese Meldung wird dann von Jurist*innen geprüft und gegebenenfalls direkt an die Polizei weitergeleitet. Auch wird dafür gesorgt, dass rechtswidrige Inhalte entfernt werden. 

4. Dickstinction

Das Projekt Dickstinction.com richtet sich speziell an Betroffene unerwünschter expliziter Bilder („Dick Pics“ = Bilder von Genitalien).
Hier können Betroffene unkompliziert Anzeige erstatten und gleichzeitig Beratung erhalten. Die erstellte Anzeige muss allerdings noch per Post oder persönlich an eine Polizeidienststelle übermittelt werden. 

5. Das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch und Nummer gegen Kummer

Beim Hilfetelefon Sexueller Missbrauch können Sie anrufen oder online Hilfe beanspruchen und sich beraten lassen. Expert:innen können Sie beim weiteren Vorgehen unterstützen. 

Die Nummer gegen Kummer existiert sowohl als Kinder- und Jugendtelefon als auch als Elterntelefon. Benötigen Sie Unterstützung oder Hilfe, können Sie dort anrufen oder sich online beraten lassen.

Tipps für Betroffene

Frau am Laptop

Schon bevor etwas passiert, können Eltern handeln: Sprechen Sie mit Ihren Kindern frühzeitig über einen angemessenen Umgangston – auch online. 

  • Beweise früh sichern: Screenshots, Nachrichten, URLs, Zeitangaben dokumentieren.

Aber Achtung: Vermuten Sie, dass es sich bei Inhalten um kinder- oder jugendpornografische Darstellungen handeln könnte, wenden Sie sich vor der Beweissicherung unverzüglich an die Polizei. Diese kann Ihnen weiterhelfen. Erstellen Sie in diesen Fällen keine Screenshots! 

  • Beratungsstellen einbeziehen: Professionelle Unterstützung erleichtert die Anzeige und schützt vor Fehlern.
  • Zuständigkeit prüfen: Je nach Wohnort oder Tatort ist eine andere Polizeibehörde zuständig.
  • Nicht zögern: Auch nach Wochen oder Monaten kann eine Anzeige noch möglich sein. 
  • Blockieren und Melden: Egal, auf welcher Plattform – ob Snapchat, TikTok oder in Videospielen wie Minecraft oder Roblox – Blockieren und Melden können Möglichkeiten sein, wie sich Ihr Kind selbstständig online helfen kann. Schauen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind an, wie man andere Nutzende blockiert und meldet. Anleitungen dazu finden Sie auf medien-kindersicher.de.
  • Ansprechperson sein: Machen Sie Ihrem Kind bewusst, dass es jederzeit auf Sie zukommen kann, wenn online etwas Seltsames oder Unangenehmes geschieht. Reagieren Sie mit Verständnis und versuchen Sie, gemeinsam mit Ihrem Kind Lösungen zu finden. 
  • Grenzen setzen: Erklären Sie Ihrem Kind, dass es sich online nicht alles gefallen lassen muss. Ist ein Online-Kontakt komisch oder nervt? Ihr Kind ist es keinem Fremden schuldig, zu antworten. 

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Florian Beutenmüller

Florian Beutenmüller ist Geschäftsführer der mecodia Akademie und Digitalagentur. Als studierter Medieninformatiker beschäftigt er sich an der Schnittstelle zwischen Technologie und Nutzern mit den informationstechnischen und medienwissenschaftlichen Aspekten der Mediennutzung und digitalen Kommunikation.

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