Mediennutzung bei Babys und Kleinkindern

KI generiertes Foto von einem Baby mit einer Konsole

Bei der Medienerziehung denken wir häufig an Grundschulkinder und Jugendliche – vielleicht auch noch an Kita-Kinder … aber wie schaut es eigentlich bei den ganz Kleinen aus? Klar: Mit komplexen Videospielen, Fernsehserien oder Social Media kann ein Baby natürlich noch nicht viel anfangen. Oder wann haben Sie zuletzt einen 1 Jährigen gesehen, der Mario Kart zockt (okay außer auf dem KI generierten Titelbild oben) oder eine Zweijährige, die eigenständig neue Bilder in ihrem Instaprofil hochlädt? Und dennoch werden die Kleinen bereits in den allerersten Lebensjahren von medialen Reizen aus ihrer Umgebung geprägt. Deswegen soll in diesem Artikel die Frage beantwortet werden: Was sollten Eltern bei Säuglingen und Kleinkindern bis 3 Jahren bei der Mediennutzung beachten?

Studie zeigt: Zu frühe Mediennutzung kann schädlich für die Gehirnentwicklung sein

In den allerersten Lebensjahren werden die Entwicklungsgrundsteine des neuen kleinen Erdenbewohners gelegt: Besonders auch was die Gehirnentwicklung angeht. Eine Langzeitstudie aus Singapur untersuchte, welche Auswirkungen eine frühe Bildschirmnutzung auf die Entwicklung des Gehirns und der Psyche bei Babys und Kleinkindern haben kann. Dafür wurden 168 Proband:innen von der frühen Kindheit bis ins Jugendalter begleitet. 

Die spannende Erkenntnis: Eine besonders frühe und regelmäßige Bildschirmnutzung ließ zwei Gehirnregionen für visuelle Verarbeitung und kognitive Kontrolle deutlich schneller wachsen. Was im ersten Moment ganz toll klingt, ist es aber nicht. Denn wenn sich neuronale Netzwerke zu schnell bilden, kann das zu weniger Anpassungsfähigkeit und Resilienz führen. 

Die Studie zeigte, dass jene Kinder mit den auffälligen Gehirnentwicklungen im Laufe der Kindheit und Jugend größere Probleme bei der Entscheidungsfindung zeigten und häufiger mit Angstsymptomen und Nervosität zu kämpfen hatten. Diese Ergebnisse zeigten sich aber nur, wenn die intensive Bildschirmzeit in den ersten beiden Lebensjahren stattgefunden hatte. 

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Bildschirmzeit in den ersten beiden Lebensjahren nicht empfohlen wird. Zum gleichen Schluss kommt übrigens auch die Weltgesundheitsorganisation WHO. 

Was bedeutet das für die Mediennutzung der Eltern?

Auch wenn Sie Ihr Baby oder Kleinkind nicht „aktiv“ vor den Fernseher oder das Tablet setzen: Sobald Sie digitale Medien in Anwesenheit Ihres Kindes nutzen, kann dies schon einen (negativen) Effekt haben – denn neben den überfordernden Reizen, welche Ihr Kind wahrnimmt, sind Sie selbst auch einfach schlechter ansprechbar und weniger aufmerksam gegenüber dem Kind. Zu dieser Erkenntnis kam eine australische Meta-Studie. Schlechtere kognitive Fähigkeiten, schlechteres Sozialverhalten und eine schlechtere Eltern-Kind-Bindung konnten bei Kindern unter 5 Jahren festgestellt werden, deren Eltern einen hohen Medienkonsum aufwiesen. 

Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie jetzt sämtliche digitalen Geräte aus Ihrem Alltag verbannen sollen. So einfach geht das natürlich auch nicht, weil ein Großteil unserer Kommunikation, unserer Arbeit aber auch Alltagsorganisation beispielsweise über das Smartphone stattfindet. Stattdessen ist ein bewusster Umgang mit digitalen Medien hier das Schlüsselwort. 

Sobald Ihr Kind älter wird, können digitale Medien auch zunehmend Einzug in das Leben erhalten. Hier eignet sich vorallem das Co-Viewing, also das gemeinsame, begleitete Nutzen an. Dadurch können Sie eine mögliche Überforderung Ihres Kindes schneller erkennen und darauf reagieren, aber auch die gesehenen oder gehörten Eindrücke gemeinsam mit Ihrem Kind aufgreifen. 

Tolle Mediennutzung in den ersten Jahren: Geschichten und Bücher vorlesen

Mutter, Sohn und Vater liegen auf dem Bett und nutzen digitale Medien.

Digitale Geräte sollten in den ersten Jahren also nicht oder eher sparsam eingesetzt werden. Eine Art der Mediennutzung, die dagegen absolut empfehlenswert ist, ist das Vorlesen. Folgende Vorteile bietet es:

  • Es schafft Nähe zwischen Ihnen und Ihrem Kind und baut eine direkte Verbindung zwischen Ihnen auf. 
  • Es erweitert den Wortschatz und das Erlernen von Sprache. 
  • Es fördert die Kreativität und die Konzentration des Kindes (oder auch Ihre eigene 😉). 
  • Es motiviert, selbst lesen zu lernen und macht fit für die Schule. 

Das Tolle: Es gibt kein Mindestalter für das Vorlesen – bereits bei Babys ist es sinnvoll. In diesem Fall ist dann zwar der genaue Inhalt etwas weniger entscheidend, aber die gemeinsame Zeit und das Sprechen sind der Schlüssel. Selbst wenn kein Kinderbuch vorhanden ist: Dann tut es im Zweifel auch eine Bedienungsanleitung (was aber im Zweifel für Sie dann recht langweilig ist). Doch auch in Bibliotheken oder im Internet bekommen Sie Zugang zu vielen kleinen Geschichten oder Büchern, die sich gut eignen.

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Laura Blumenthal

Laura Blumenthal ist Absolventin des Master-Studiengangs „Kinder- und Jugendmedien“ der Universität Erfurt, in dem sie sich insbesondere mit den Themen „Digitale Meinungsbildung“ und „Social Media“ auseinandergesetzt hat. Zudem hat sie während ihrer medienpädagogischen Tätigkeiten schon mit verschiedenen Zielgruppen zusammengearbeitet, so dass sie die jeweiligen Bedürfnisse, welche an Medien gestellt werden, gut nachvollziehen kann.

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